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Das Palmenhaus im Pillnitzer Schlosspark

 

„Eine richtige Premiere. Und es funktioniert!“ verkündet ein Mann, der bis zur Hüfte in einem Becken mit Wasser steht. Er ist Brunnenbauer und hat gerade das Wasserspiel in dem königlichen Palmenhaus von Schloss Pillnitz bei Dresden in Gang gesetzt. So hörte sich der Abschluss letzter Arbeiten an dem ovalen Brunnen mit Fontäne an, der zentral in dem achteckigen Mittelbau des Gebäudes liegt. 1859 ließ der sächsische König das repräsentative Pflanzenschauhaus bauen. Die Konstruktion aus Gusseisen und Glas, die in Deutschland einzigartig ist, wurde nun restauriert und wird in diesen Tagen wieder zur Besichtigung frei gegeben. Bis 1990 ist mehr als dreißig Jahre nichts an dem Gebäude gemacht worden. Der Kunsthistoriker Fritz Löffler, dem Dresden viel zu verdanken hat, schlug in einem Brief an die SED-Führung sogar vor, das Palmenhaus an Westberlin zu verschenken, anstatt es verfallen zu lassen. Der Bau ist von dem Londoner Crystal Palace inspiriert, der viele Jahrzehnte Sinnbild für britische Innovation war. Joseph Paxton, ein angesehener Gartenarchitekt und spezialisiert auf Gewächshäuser, entwarf den Kristallpalast. Errichtet für die erste Weltausstellung 1851, wurde das Gebäude danach demontiert und in dem Stadtteil Syndenham wieder aufgebaut. 1936 fiel der Bau einem Großbrand vollständig zum Opfer.

 

In der Schlossanlage Pillnitz steht mit dem Palmenhaus der einzige noch erhaltene Vertreter dieser Konstruktionsweise in Deutschland. Dreißig Jahre gehen an einem Bauwerk aus vergleichsweise empfindlichen Baustoffen wie Gusseisen, Holz und Glas nicht spurlos vorbei. „Die äußeren Stützen, die gleichzeitig Regenrohre waren, mussten fast komplett neu gegossen und ausgetauscht werden. Der Frost hatte in den vielen Wintern das Material stark angegriffen“, sagt Roland Puppe, Bereichsleiter Garten der Staatlichen Schlösser, Burgen und Gärten Sachsen. 

 

Das Gebäude entstand in der Regierungszeit von König Johann I. von Sachsen. Ab 1858 ließ er alte Gewächshäuser teilweise um- und neu bauen. Der König interessierte sich jedoch mehr für Literatur und Philosophie als für Botanik. „Wahrscheinlich hat König Johann das Palmenhaus in Andenken an seinen verunglückten Bruder, Friedrich August II., bauen lassen“, so Puppe. Friedrich August II. war leidenschaftlicher Botaniker und hatte die Pillnitzer Pflanzenbestände umfassend erweitert. Der historische Bepflanzungsplan des weitläufigen Schlossparks gilt seit langem als verschollen. Die verantwortlichen Gärtner mussten sich bei der Rekonstruktion der historischen Pflanzenanordnung an alte Fotografien und schriftliche Überlieferungen halten. In dem  Palmenhaus, das in Südflügel, Mittelhalle und Nordflügel gegliedert ist, gedeihen hauptsächlich so genannte Holländer und Neuholländer. Das sind Gewächse aus den ehemaligen niederländischen Kolonien in Südafrika Australien.  Die achteckige Mittelhalle ist eines der Warmhäuser und zeigt seltene Palmenarten und prachtvoll blühende Pflanzen, wie die Paradiesvogelblume, deren leuchtend gelbe Blüte einen Akzent setzt. Das Oktogon vereint sowohl die botanischen, als auch die architektonischen Highlights in sich. Die Gestaltung des Innenraums ist teilweise von viktorianischen Rundungen inspiriert, während andere Details und der klare äußere Aufbau an die Industrialisierung erinnern. So haben die Auflageflächen für Hängepflanzen die Form eines Rades dessen Speichen verspielt geschwungen sind. Im 19. Jahrhunderts wurde mit der künstlich geschaffenen Idylle eine Beschaulichkeit und Sicherheit vermittelt, die in Krisenzeiten Ruhe und Geborgenheit suggerierte.

 

Großbritannien entwickelte sich im 18. und 19. Jahrhundert zu einer Wohlfühlinsel, auf der sich adlige und wohlhabende Gesellschaften regelmäßig in die heimischen Tropenhäuser zurückzogen, um sich der traditionellen Tea-time zu widmen. Bevor in Pillnitz der endgültige Entschluss gefasst wurde das Palmenhaus für die ursprüngliche Nutzung wieder herzurichten, erwog man auch die Einrichtung eines Café- oder besser Teehauses. „Der Vorschlag entpuppte sich schnell als nicht praktikabel. Im Winter muss man allein für die Pflanzen heizen bis das Kondenswasser von der Decke tropft und im Sommer würde man die Sonne kaum aushalten“, sagt Roland Puppe, der seit Anfang der neunziger Jahre mit dem  Palmenhausprojekt beschäftigt ist. Letztlich wurde entschieden das Palmenhaus wieder als botanisches Schauhaus einzurichten und ehemalige Wirtschaftsräume so umzugestalten, dass wechselnde Ausstellungen eingerichtet werden können.

 

Nora Malles, Studentin der Kunstgeschichte

 


Weitere Infos unter:

http://www.schloesser-dresden.de/index.php?entry_id=97

Weitere Bilder zum Artikel:

Bild vom Londoner Crystal Palace entnommen von:  www.prometheus-bildarchiv.de

 

 

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