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Baustelle Albertinum

Im Wintersemester 2007/2008 erhielten Kunstgeschichts- und Architekturstudenten der TU Dresden im Rahmen der Baustellenbesichtigungen „Werkberichte zur Denkmalpflege“ Einblick in die Arbeiten vor Ort.

Das 1887 als Zeughaus erbaute Albertinum am Georg-Treu-Platz befindet sich momentan im Bauzustand. Es beherbergt normalerweise die Galerie Neue Meister, deren Depot beim Hochwasser 2002 überflutet wurde. Um die Lagerung der wertvollen Kunstgüter weiterhin gewährleisten zu können, wird seit 2006 an einem hochwassersicheren Depot- und Werkstättengebäude – der „Arche“ – gearbeitet. Das folgende Begehungsprotokoll beschreibt den aktuellen Bauzustand und beurteilt die Arbeiten unter denkmalpflegerischen Gesichtspunkten.

 

Während der Bauarbeiten (Januar 2006 bis 2009) ist das Gebäude für den Besucherverkehr voll gesperrt. Die Eingriffe in die historische Substanz werden am alten Gebäudeteil so gering wie möglich gehalten. Momentan erfolgt der Einbau einer neuen Heizungs- und Lüftungsanlage. An der Raumaufteilung der Ausstellungsräume ändert sich nichts. Auch die Lichtdecken aus den 1950er Jahren sowie das Parkett (soweit möglich) bleiben erhalten.

 

Das neue Depot – und Werkstättengebäude wird als zweistöckige Stahlfachwerkkonstruktion den Innenhof der Vierflügelanlage in 12 Metern Höhe und 70 Metern Länge überspannen. Die untere Ebene wird die Depoträume, die obere Ebene Restaurierungswerkstätten beherbergen. Somit ist die Pflege der Kunstwerke der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden in Zukunft optimal möglich.

Die Konstruktion liegt einerseits auf zwei fest im Erdreich verankerten Stahlbetonstützen, die kaum störend durch den Flügel am Georg-Treu-Platz geführt werden, und andererseits auf dem neuen Lastenaufzug auf der gegenüberliegenden Seite auf. An den beiden Längsseiten ist die Arche durch einen Lichtfuge, die den Innenhof beleuchtet, strikt vom Altbau getrennt. Momentan wird der gesamte Neubau noch von einem Schwerlastgerüst getragen.

Der Innenhof wird durch den Neubau dieses Gebäudeteils zum zentralen Foyer umgestaltet und erhält somit eine völlig neue Funktion (früher praktisch unbenutzt!). Zur Erschließung der Ausstellungsräume werden dadurch einige Türdurchbrüche nötig. Gleichzeitig werden die vorher unzugänglichen Innenhofbereiche mit ihren durchaus sehenswerten Fassaden aber für die Öffentlichkeit sichtbar.

Um Gemälde in Zukunft sicher in die Arche transportieren zu können, wird der Einbau eines großen Lastenaufzugs verbunden mit einer Vergrößerung des bestehenden Tores am Tzschirnerplatz nötig. Die Sandsteinbossierung an der Außenfassade rund um das Tor wird hinterher allerdings sorgfältig restauriert.

 

Ein Konflikt zwischen dem Umbau des Albertinums und den denkmalpflegerischen Zielen besteht im unvermeidbaren Verlust an historischer Substanz. Von außen werden Veränderungen kaum sichtbar sein. Doch von innen und aus der Vogelperspektive wandelt sich der Eindruck des Denkmals enorm. Durch die Überdachung des Innenhofes entsteht ein völlig neuer Raumeindruck. Außerdem kommt es durch den Bau des Aufzugs zu größeren Eingriffen in bestehende Raumgefüge.

 

Trotzdem halte ich den Umbau des Albertinums für gelungen. Ein hochwassersicheres Depotgebäude war unbedingt notwendig und die Lösung als Überdachung des Innenhofes mit der daraus resultierenden Nutzbarmachung vorher ungenutzter Flächen finde ich vereinbar mit den Zielen des Denkmalschutzes. Schließlich gewinnt das Gebäude durch die Konzentration von Einrichtungen (Museum, Depot, Werkstätten) an Wert, was seinen Bestand auf lange Zeit sichert.

Positiv ist weiterhin, dass der neue Gebäudeteil optisch auch für Laien aufgrund der Abgrenzung durch die Lichtfuge und das andere Material gut vom Altbau unterschieden werden kann. In Zukunft können Besucher von verschiedenen Seiten in das Gebäude gelangen – es wird besser erschlossen. Mit dem Erhalt der Lichtdecken und der Raumaufteilung werden außerdem wichtige Zeugnisse aus den 1950er Jahren erhalten.

Im alten Gebäudeteil erfolgt eine behutsame Konservierung der bestehenden Substanz und keine historisierende Verklärung – der Neubau fügt sich, obwohl optisch völlig unterschiedlich, gut in das gesamte Ensemble ein.

 

Alle Bilder entnommen von: www.neumarkt-dresden.de/albertinum.html 

 

Claudia Kemna, Studentin Kunstgeschichte

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